14.07.2026

Anne Brorhilker: "100 Milliarden verschwinden jährlich durch Steuerhinterziehung, ein Fünftel des Staatshaushalts"

Interview mit der ehemaligen Cum-Ex-Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker im neuen DSW-Journal 2–3/2026 des Deutschen Studierendenwerks (DSW); Brorhilker fordert mehr Aufmerksamkeit für Wirtschaftskriminalität in Studium, Forschung und Justizausbildung; Brorhilker: Milliardenverluste durch Steuerhinterziehung schränken staatliche Handlungsspielräume auch bei der Bildung ein

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Wirtschaftskriminalität muss in der juristischen Ausbildung und der kriminologischen Forschung deutlich stärker berücksichtigt werden. Das fordert Anne Brorhilker, ehemalige Leiterin der Ermittlungen im Cum-Ex-Steuerbetrugsprozess und heutige Vorständin der NGO Finanzwende, im Interview im neuen DSW-Journal 2-3/2026 des Deutschen Studierendenwerks (DSW).

Im Gespräch mit dem Journalisten Christian Füller beklagt Brorhilker, Wirtschaftskriminalität in Studium und Ausbildung spielten bislang kaum eine Rolle. Dadurch entstünden Berührungsängste bei angehenden Staatsanwältinnen und Staatsanwälten sowie Richterinnen und Richtern. Dabei sei das Deliktfeld für die Strafverfolgung von großer Bedeutung. 

Zugleich kritisiert die frühere Oberstaatsanwältin die gesellschaftlichen Folgen unzureichender Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Finanzkriminalität. Allein durch Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte seien dem Staat nach seriösen Schätzungen rund 40 Milliarden Euro entgangen, hinzu kämen jährlich etwa 100 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung. 

Aufs BAföG angesprochen, erklärt Brorhilker, sie halte es für „nicht hinnehmbar“, dass staatliche Leistungen über Jahre nur unzureichend angepasst würden, während gleichzeitig Milliardenbeträge dem Gemeinwesen verloren gingen. Der Staat müsse deutlich mehr Ressourcen einsetzen, um diese Gelder zurückzugewinnen: „Das ist ein Fünftel des Staatshaushalts. Solche Beträge könnten das Zusammenleben in Deutschland verändern - und wohl auch Bildung.“

Im Interview spricht Anne Brorhilker außerdem über ihren ungewöhnlichen Berufsweg, den Kampf gegen organisierte Steuerkriminalität sowie die Frage, warum Gerechtigkeit für sie seit ihrer Schulzeit ein persönlicher Antrieb ist.

Das Interview mit Anne Brorhilker auf den Seiten 38 und 39 dieses Downloads:

https://www.studierendenwerke.de/fileadmin/user_upload/DSW_Journal_2-3-_2026_DSW-Magazin.pdf

 

Weitere Themen im DSW-Journal 2-3/2026:

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