Das neue Hochschulstädte-Scoring des Moses-Mendelssohn Instituts (MMI), für welches die Mieten für ein WG-Zimmer auf dem freien Wohnungsmarkt in 90 Hochschulstädten untersucht wurden, zeigt eine preisliche Stabilisierung der bundesweiten Durchschnittsmiete bei 510 Euro im Monat, bei zunehmender Preisdifferenz zwischen sehr teuren und günstigen Hochschulstädten.
Die mit deutlichem Abstand teuerste Hochschulstadt bleibt München, mit inzwischen 850 Euro durchschnittlicher Miete für ein WG-Zimmer, gefolgt von Berlin, Hamburg und Köln. Die aktuelle BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro im Monat reicht gemäß den MMI-Daten in 76 der 90 untersuchten Hochschulstädte nicht aus; in diesen 76 Hochschulstädten leben rund 84 % aller Studierenden.
Matthias Anbuhl, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerks, kommentiert die Zahlen:
„Die Mietkostenbelastung für Studierende, die auf dem freien Wohnungsmarkt unterkommen müssen, bleibt enorm. Das zeigten erst jüngst die Daten des Statistischen Bundesamts, und nun auch das neue Hochschulstädte-Scoring des Moses Mendelssohn Instituts.
Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die auf hohem Niveau sich einpendelnden Mieten bleiben ein eklatantes Strukturdefizit und bergen gesellschaftlichen Sprengstoff. Uns droht eine neue Form der sozialen Auslese über die Miete. Die Frage, ob ich mir in einer teuren Hochschulstadt, in der aber meine Wunsch-Hochschule liegt, überhaupt ein WG-Zimmer leisten kann, darf nicht darüber entscheiden, wo ich studiere. Sonst steuern wir auf ein Szenario zu, in welchem nur noch die Kinder reicher Eltern in den attraktiven großen Hochschulstädten sich überhaupt ein Studium leisten können.
Für die aktuelle Studierenden-Generation ist es schmerzhaft, dass die BAföG-Wohnkostenpauschale nun erst im Sommer 2027 erhöht wird. Es kann nicht sein, dass BAföG-geförderte Studierende bald in kaum einer deutschen Hochschulstadt mehr eine Chance auf ein WG-Zimmer haben.
Ich sehe aber auch einen Lichtblick: Das im Jahr 2023 gestartete Bund-Länder-Programm ‚Junges Wohnen‘ für mehr bezahlbaren Wohnraum für Studierende und Auszubildende hat das Potenzial, zum Gamechanger zu werden – wenn alle Bundesländer überzeugt und kräftig mitziehen.
Gute Landesförderung vorausgesetzt, können die Studierendenwerke mit diesen Mitteln zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum für Studierende neu schaffen oder sanieren. Länder wie Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Nordrhein-Westfalen oder zuletzt Niedersachsen sind gute Beispiele.
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen will im kommenden Jahr die anteilige Bundes-Förderung des Programms verdoppeln, von einer halben Milliarde Euro jährlich auf eine volle Milliarde. Das hilft enorm. Wir sind aber auf einer Mittel- und Langstrecke. Wir brauchen eine Verstetigung des Programms über das Jahr 2029 hinaus.
Es ist kein kurzer Sprint, die Versäumnisse von Jahrzehnten aufzuholen. Wir brauchen mindestens eine Dekade des Bauens und Sanierens. Mehr bezahlbarer Wohnraum ist ein immens wichtiges Ziel, denn davon profitieren alle: die Studierenden, die Hochschulen, die Städte – und unsere Gesellschaft als Ganzes.“
Pressemitteilung des Moses Mendelssohn Instituts:
https://moses-mendelssohn-institut.de/aktuelles/WiSe2026
MMI-Ansprechpartner für die Medien:
Prof. Dr. Stefan Brauckmann, 040 375 022 63,
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