106.045 Studierende stehen auf Wartelisten für einen Wohnheimplatz bei einem Studierendenwerk. Das ist das Ergebnis einer Abfrage des Deutschen Studierendenwerks bei seinen Mitgliedern. Stichtag war der 15. September 2026.
Am Längsten sind diese Listen bei den Studierendenwerken Aachen und München Oberbayern mit 11.170 und 10.812 Studierenden pro Werk. In einer Aufschlüsselung nach Bundesland warten in Nordrhein-Westfalen und Bayern mit 38.596, bzw. 19.527 Listeneinträgen besonders viele Studierende auf einen Wohnheimplatz im Studierendenwerk.
Matthias Anbuhl, der DSW-Vorstandsvorsitzender, kommentiert:
„Der Mietdruck auf dem freien Wohnungsmarkt bleibt enorm hoch. Gerade zu Beginn des Wintersemesters strömen zehntausende neuer Erstsemester in die Hochschulstädte und brauchen eine bezahlbare Unterkunft. Der Kostendruck durch die Miete droht viele Studierende zu erdrücken und sorgt für extrem lange Wartelisten bei den Wohnheimen der Studierendenwerke.
Hier findet eine neue Form der sozialen Auslese statt: Nicht das Talent oder Interesse bestimmt, an welcher Hochschule man studiert, sondern die Frage, ob ich mir die Miete in der Stadt überhaupt leisten kann. Die Bildungsgerechtigkeit in Deutschland wird dadurch de facto ausgehebelt.
Die Studierendenwerke stemmen sich mit ihren rund 196.000 Wohnheimplätzen gegen diese Entwicklung. Bei ihnen kostet der Wohnplatz im Bundesdurchschnitt 330 Euro und damit deutlich weniger als die 510 Euro, die Studierende auf dem freien Wohnungsmarkt für ein WG-Zimmer ausgeben müssen. Auf den Gesamtbedarf an studentischen Wohnraum gerechnet, können sie aber nur etwa zehn Prozent der Studierenden mit einer Unterkunft versorgen. Die Folge sind diese extremen Wartelisten und ein enormer sozialer Druck bei den Studierende.
Dass die Bundesregierung die Steigerung der BAföG-Wohnkostenpauschale auf 440 Euro ab dem Sommersemester 2027 ist ein wichtiger Schritt, weitere müssen folgen. Schon jetzt reichen diese 440 Euro kaum aus, um an größeren Hochschulstandorte wie Köln, München, Frankfurt am Main oder Hamburg eine Unterkunft zu finden.
Das große Hoffnungszeichen für den studentischen Wohnungsmarkt ist das Bund-Länder-Programm ‚Junges Wohnen‘. Die Verdoppelung der Mittel ab 2027 kann dafür sorgen, eine notwendige Dekade des Bauens und Sanierens einzuleiten. Dafür ist es aber eine weitere Verstetigung des Programms und seine kraftvolle Umsetzung durch die Länder nötig. Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen oder Sachsen sind hier Vorbilder. Stimmen die Rahmenbedingungen kann das `Junge Wohnen´ auf mittlere Sicht zum Gamechanger werden – weil es die Studierendenwerke befähigt, den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum für Studierende zu schaffen und zu sanieren.“
