"Bezahlbarkeit, gute Bildung, Gerechtigkeit – die Bundesregierung sollte auf die Anliegen der jungen Generation hören. Der Vorschlag eines Bildungsgipfels kommt aus den Regierungsfraktionen und weist in die richtige Richtung. Allerdings sollten auch soziale Fragen wie die Wohnkrise und Bezahlbarkeit des Lebens mit auf die Tagesordnung. Denn diese Punkte treffen junge Menschen auf dem Schritt in die Selbstständigkeit sehr. Zurzeit droht eine neue Form der sozialen Auslese an den Hochschulen: Nicht mehr Talent und Interesse entscheiden, an welcher Hochschule ich studiere, sondern die Frage, ob ich mir die Miete in der Stadt überhaupt noch leisten kann. Es ist gut, wenn die Bildungsministerin Karin Prien (CDU) Vertreter*innen der jungen Generation zum Gespräch einladen will. Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sollte mitziehen, denn ihr Haus ist für die soziale Lage der Studierenden – zum Beispiel über das BAföG – mitverantwortlich.
Junge Menschen sehen genau, für wen in schwierigen Zeiten Politik gemacht wird. Sie sehen das kurzfristig Milliarden für den nächsten Tankrabatt mobilisiert werden, während die dringend notwendige BAföG-Erhöhung auf die lange Bank geschoben wird. Sie registrieren genau, dass sie seit Jahren die Verlierer auf einem überhitzten Wohnungsmarkt sind. Und sie nehmen seit Jahren wahr, dass sich der Sanierungsstau an Schulen und Hochschulen weiter auftürmt und nicht abgebaut wird.
Neben den Protesten sollten die Parteien aber auch besorgt auf das Wahlverhalten der jungen Generationen schauen. Zurzeit findet eine Art „Quitting“, eine innere Kündigung, vieler junger Menschen statt. Die Parteien der demokratischen Mitte spielen bei ihnen nur noch eine untergeordnete Rolle. Gerade sie müssten ein Interesse haben die junge Generation anzusprechen, die zwar eine Minderheit in der Wählerschaft, aber doch die Zukunft unserer Gesellschaft ist.
Wer aber Proteste unterwandert, um zu randalieren und zu plündern, muss die volle Konsequenz des Rechtsstaats spüren."
