Auf ihrer Mitgliederversammlung haben die 57 im Deutschen Studierendenwerks (DSW) organisierten Studierendenwerke Bund und Länder aufgefordert, die Internationalisierung des deutschen Hochschulsystems finanziell abzusichern.
Während andere große Aufnahmeländer wie die USA, Großbritannien, Kanada oder die Niederlande über eine deutliche Begrenzung internationaler Studierender nachdenken, verzeichnet Deutschland eine gegenteilige Entwicklung: Bereits zum Wintersemester 2024/25 stieg die Zahl internationaler Studierender erstmals auf mehr als 400.000. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Indien, China und die Türkei.
Die volkswirtschaftlichen Effekte sind erheblich: Bleiben etwa 40 Prozent eines internationalen Anfänger*innen-Jahrgangs langfristig in Deutschland, tragen sie gemeinsam rund 15,5 Milliarden Euro zu den öffentlichen Haushalten bei. Doch dieser Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie gut soziale Integration, Studienerfolg und Ankommen im Alltag gelingen. Genau hier sehen die Studierendenwerke intensiven Handlungsbedarf.
Studierendenwerke stellen internationalen Studierenden derzeit rund 45 Prozent ihrer knapp 200.000 Wohnheimplätze zur Verfügung. Gerade Studierende aus Nicht-EU-Ländern benötigen diesen Wohnraum; sie wären auf dem freien Wohnungsmarkt chancenlos.
Die studentischen Wohnheimtutor*innen der Studierendenwerke in den Wohnheimen spielen bei der sozial-akademischen Integration der „Internationals“ eine Schlüsselrolle: Sie erleichtern den Einstieg in eine neue Lebens- und Studienkultur, beugen sozialer Isolation vor und schaffen Zugänge zu lokalen Netzwerken. Ergänzend bieten die psychologischen und Sozial-Beratungsstellen der Studierendenwerke Unterstützung bei persönlichen, finanziellen und studienbezogenen Herausforderungen – Angebote, deren Nachfrage stark wächst.
Um die Internationalisierungsziele von Bund, Ländern und Hochschulen realistisch erreichen zu können, fordern die Studierendenwerke eine zielgerichtete Stärkung ihrer sozialen Infrastruktur.
Die Mitgliederversammlung richtet klare Forderungen an Bund, Länder und Kommunen: eine kraftvolle weitere Umsetzung des Bund-Länder-Programms „Junges Wohnen“, eine länder-seitige Förderung der Wohnheimtutor*innen-Programme, der Ausbau psychologischer und sozialer Beratung sowie lokale Strategien und Netzwerke für internationale Studierende, gemeinsam mit den Hochschulstädten und Hochschulen.
Ebenso fordern die Studierendenwerke unbürokratische Lösungen bei Melderecht und Rundfunkbeitragsbefreiung von internationalen Studierenden sowie bessere Informationen für sie bereits vor ihrer Ankunft in Deutschland – vor allem die zentrale Information, dass mit einer Studienplatz-Zusage in Deutschland, entgegen der Praxis in vielen anderen Ländern, keine Wohnheimplatz-Zusage verbunden ist.
Beschluss „Erfolgreiche Internationalisierung der Hochschulen braucht stärkere soziale Infrastruktur“ zum Download:
