16.06.2026

Tipps und Informationen Nr. 04/2026

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Aus IBS und DSW

Abschied von der IBS nach 25 Jahren - Ein persönlicher Gruß zum Schluss

Heute wende ich mich ausnahmsweise in ganz persönlicher Angelegenheit an Sie. Nach fast 25 Jahren endet mein berufliches Engagement als Referentin in der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) zum 30. Juni. Ich bin dankbar, dass ich gemeinsam mit meinen Kolleg*innen in der IBS und vielen engagierten Partner*innen innerhalb und außerhalb der Hochschulen dazu beitragen konnte, die Belange von Studierenden mit Behinderungen und chronischen Krankheiten sichtbar zu machen und ihre Teilhabechancen im Studium zu verbessern. Umso mehr bewegt mich, dass nach Jahren stetiger Fortschritte aktuell erhebliche Einschränkungen bereits erkämpfter Rechte drohen und gesellschaftliche Entwicklungen Ausgrenzung wieder Vorschub leisten. Umso wichtiger bleibt das Engagement aller, die sich für Chancengerechtigkeit und Teilhabe einsetzen. Bitte bleiben Sie diesem Anliegen verbunden.

Zum Abschied möchte ich mich herzlich bei Ihnen, den Leser*innen des IBS-Newsletters, für die vielen wertschätzenden Rückmeldungen bedanken, die mich in den vergangenen Jahren erreicht haben. Die „Tipps und Infos“ zu konzipieren, zusammenzustellen und über viele Jahre zu begleiten, war ein wichtiger und bereichernder Teil meiner Arbeit in der IBS. Die Redaktion habe ich bereits vor einigen Monaten an meine Nachfolgerin Victoria Engels übergeben, die meine Aufgaben und den Newsletter mit neuen Impulsen weiterführen wird.

Tschüss, Christine Fromme

Aus Hochschulen und Studierendenwerken

Projekt „InkluBuddy – Netzwerk Beratung und Lehre inklusiv“: Förderung von 225.000 Euro in der Förderlinie „Fokus Netzwerke 2026“ eingeworben

Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert das Projekt „InkluBuddy – Netzwerk Beratung und Lehre inklusiv“ im Rahmen der Förderlinie „Fokus Netzwerke 2026“ mit 225.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren.
Gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Studium und Behinderung NRW (LAG SB NRW) entwickelt die Universität Bielefeld ein Buddy-Programm für neue Beauftragte, Beratende und interessierte Lehrende. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Nachteilsausgleich, Fallarbeit und barrierefreie Lehre. Auf Grundlage der Projekterfahrungen soll zudem ein modularer Moodle-Selbstlernkurs entstehen, der an hochschuldidaktische Zertifikatsprogramme anschlussfähig ist. Eine landesweite Fachtagung bildet den Abschluss des Projekts.
Ziel ist es, den hochschulübergreifenden Austausch zu stärken, Wissen systematisch weiterzugeben und die Entwicklung vergleichbarer Standards in Nordrhein-Westfalen zu unterstützen.

Aktualisiertes Glossar für Studierende und Studieninteressierte in DGS

Das Glossar erklärt zentrale Begriffe aus dem Hochschulbereich in kurzen Videos in Deutscher Gebärdensprache (DGS) und zusätzlich in Textform. Es wurde 2019 in einem Projekt der staatlichen Hamburger Hochschulen erstellt und 2025 überarbeitet. Koordiniert und finanziert wird das Projekt von der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke (BWFG).

DACHS – Universität Bielefeld

Mit dem Portal DACHS (Digital Accessibility Checking and Simulation) stellt die Zentrale Anlaufstelle Barrierefrei (ZAB) der Universität Bielefeld ein digitales Unterstützungsangebot für barrierefreie Hochschullehre bereit. Das Portal unterstützt Lehrende dabei, Barrieren in digitalen Lehrmaterialien und Lernmanagementsystemen zu erkennen, zu verstehen und abzubauen – praxisnah und ohne besondere technische Vorkenntnisse.

Zu den zentralen Funktionen gehören Perspektivwechsel durch Simulationen verschiedener Beeinträchtigungen, Informationen zu den Bedarfen von Studierenden mit Behinderungen sowie chronischen und psychischen Erkrankungen, Tutorials zur barrierefreien Gestaltung digitaler Lehre und die Prüfung von Kursen und Materialien mithilfe automatisierter sowie interaktiver Tests. Über Plugins ist DACHS direkt an Moodle und ILIAS angebunden und ermöglicht unter anderem den Import bestehender Kurse. Gamification-Elemente sollen die Nutzung zusätzlich fördern.

Das Projekt wurde von April 2023 bis März 2026 durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert und steht inzwischen öffentlich zur Verfügung.

Aus Verbänden, Interessengemeinschaften und der Selbsthilfe

PMDS Hilfe e. V.: Information, Vernetzung und Selbsthilfe bei Prämenstrueller Dysphorischer Störung

PMDS Hilfe e. V. ist ein bundesweiter Selbsthilfeverein für Menschen mit Prämenstrueller Dysphorischer Störung (PMDS). Die Initiative wurde von Betroffenen gegründet und bietet Informationen, Austauschmöglichkeiten sowie Unterstützung bei der Suche nach fachlicher Hilfe. Ziel ist es, die Bekanntheit der Erkrankung zu erhöhen, Betroffene zu vernetzen und die Versorgungssituation zu verbessern.

Zum Angebot gehören unter anderem Online-Selbsthilfegruppen, Informationsmaterialien, ein Verzeichnis spezialisierter Ansprechpersonen sowie Aktivitäten zur Öffentlichkeitsarbeit. Der Verein möchte dazu beitragen, dass PMDS früher erkannt und Betroffene besser unterstützt werden.

Aus Wissenschaft und Forschung

Bündelung der Pauschale für Chancengleichheitsmaßnahmen (DFG)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) weist darauf hin, dass die Bündelung („Pooling“) der Pauschalen für Chancengleichheitsmaßnahmen aus einzelnen Forschungsverbünden bzw. Forschungsprojekten an einer Hochschule grundsätzlich möglich ist. Ziel ist es, Maßnahmen hochschulweit so zu organisieren, dass sie effizienter umgesetzt und von mehreren Projekten genutzt werden können.

Wenn Maßnahmen zu ihrer Etablierung eine vorgelagerte Organisation benötigen, soll im Poolingkonzept plausibel geschätzt werden, welcher Bedarf besteht bzw. wie stark die Angebote voraussichtlich von Mitarbeitenden der beteiligten Verbünde/Projekte genutzt werden. Die Verausgabung der Pauschale erfolgt weiterhin nach den allgemeinen Regeln der jeweils gültigen Verwendungsrichtlinien und den Bewilligungsschreiben.

Publikationen

TK-Dossier 2026: Wie geht's Deutschlands Studierenden?

Das neue Dossier der Techniker Krankenkasse (TK) „Wie geht’s Deutschlands Studierenden?“ zeigt eine weiterhin hohe gesundheitliche Belastung. Zwar bewerten 68 Prozent der Studierenden ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut, zugleich fühlen sich 86 Prozent zumindest manchmal gestresst, 41 Prozent sogar häufig. Als zentrale Belastungsfaktoren nennen Studierende vor allem Prüfungen, die Vereinbarkeit von Studium und Arbeit sowie die Angst vor schlechten Noten. Rund 35 Prozent berichten eine hohe oder sehr hohe emotionale Erschöpfung. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung gesundheitsförderlicher Studienbedingungen und gut erreichbarer Beratungsangebote.

Inklusive Hochschulentwicklung. Studieren mit gesundheitlicher Beeinträchtigung – Ergebnisse der Studie best3

Frau Dr. Steinkühler stellt in ihrem Beitrag zentrale Ergebnisse der Teilstudie „best3 – Studieren mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung“ vor. Die Analyse zeigt, dass Studierende mit studienerschwerender Beeinträchtigung seltener mit ihren Studienbedingungen zufrieden sind als Studierende ohne studienerschwerende Beeinträchtigung (48 % gegenüber 64 %). Zudem berichten sie häufiger über Studienunterbrechungen, Studienfach- und Hochschulwechsel sowie eine höhere Studienabbruchintention.
Als besondere Herausforderungen werden unter anderem das Leistungspensum, die Studienorganisation, Schwierigkeiten in Lehre und Lernen sowie die Prüfungsdichte genannt. Die Ergebnisse verdeutlichen außerdem die Bedeutung von Verständnis und Unterstützung durch Lehrende sowie die Auswirkungen von Diskriminierungserfahrungen auf die Studienzufriedenheit.

Neues Handbuch Hochschullehre - Anforderungen an eine inklusive Hochschule: Wie können Studium und Lehre inklusiver gestaltet werden? 

Frau Dr. Gattermann-Kasper und Dr. Peschke zeigen in ihrem Beitrag, welche strukturellen Voraussetzungen Hochschulen für mehr Inklusion schaffen müssen. Damit die Hochschulen inklusiver werden, müssen sie strukturelle Voraussetzungen schaffen, z. B. durch die Stärkung des Amts „Beauftragte*r für die Belange von Studierenden mit Beeinträchtigungen“, die Einführung einer „Befugten Stelle“ für barrierefreie Literatur oder die Berücksichtigung der Belange Studierender mit Beeinträchtigungen in den Modulbeschreibungen. Im Artikel werden Anforderungen an eine inklusive Hochschullehre in vier Handlungsfeldern skizziert mit dem Fokus auf „Lehrveranstaltungen“ und „Prüfungen“. Der Beitrag soll Hochschulen auf dem Weg zur inklusiven Hochschule unterstützen und enthält Tipps zur Umsetzung der rechtlichen Regelungen und der HRK-Empfehlung „Eine Hochschule für Alle“.  

Aus den Medien

Digitale Barrierefreiheit und KI – iXNet im Gespräch mit Casey Kreer: Wenn digitale Teilhabe mehr ist als Technik.

Im aktuellen iXNet-Podcast spricht Casey Kreer (Digital-Consultant, Aktivistin, Journalistin) über ihren Weg in die digitale Welt – vom Aufwachsen mit Computern über Gaming bis zur heutigen Arbeit an der Schnittstelle von Barrierefreiheit, Verwaltung und Technologie. Deutlich wird dabei: Barrierefreiheit wird viel zu oft erst im Nachhinein „repariert“, obwohl digitale Zugänglichkeit von Anfang an mitgedacht werden muss. Im Gespräch mit Andreas Brüning geht es um strukturelle Probleme in Behörden, um das Auslagern von Expertise, um KI als Chance und Risiko zugleich – und um die Perspektive, dass Audiodeskription nicht nur Technik, sondern auch Kunst ist. 

Im Wiarda Blog: Die Voraussetzung von Exzellenz

Im Wiarda-Blog setzen sich die Autor*innen mit aktuellen Sparvorschlägen im Bereich Inklusion und Teilhabe auseinander. Sie argumentieren, dass Kürzungen bei Unterstützungsleistungen insbesondere Menschen mit Behinderungen und Familien in belasteten Lebenssituationen treffen würden. Dies sei nicht nur eine Frage sozialer Gerechtigkeit und der Wahrung von Teilhaberechten, sondern könne auch Auswirkungen auf Bildungs- und Wissenschaftsstandorte haben.

Mit Blick auf Hochschulen weisen die Autor*innen darauf hin, dass Leistungen zur Teilhabe in der Bildung wie beispielsweise Studienassistenz, Mobilitätshilfen oder geeignete Hilfsmittel, zentrale Voraussetzungen für gleichberechtigte Studienbedingungen darstellen. Werden entsprechende Unterstützungsangebote eingeschränkt, könnten sich daraus zusätzliche Herausforderungen für die Teilhabe am Studium ergeben.

Der Beitrag betont, dass Exzellenz in Forschung und Lehre auf chancengerechten Bildungszugängen basiert. Inklusion und Teilhabe werden dabei als wesentliche Voraussetzungen für die Entfaltung individueller Potenziale und die Leistungsfähigkeit des Wissenschaftssystems verstanden.

Termine

Online-Kurz-Workshops „Barrierefreies MINT-Studium“ (Math4VIP)

Das Kooperationsprojekt Mathematik für Visually Impaired Persons (Math4VIP ) vom Fachbereich Mathematik und Informatik der Philipps-Universität Marburg und vom Zentrum für digitale Barrierefreiheit und Assistive Technologien des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) bietet am 18. und 19. Juni 2026 vier Online-Kurz-Workshops zum barrierefreien MINT-Studium an. Die Workshops richten sich an blinde und sehbehinderte MINT-Studierende und Studieninteressierte, an unterstützende Personen sowie an Dozierende. Im Mittelpunkt stehen praktische Hinweise, die den Zugang zu Mathematik und anderen MINT-Fächern erleichtern sollen.

Wann: 18.06.2026 (Do) und 19.06.2026 (Fr, Wiederholung), jeweils 1–2 Stunden (online)
Wo: Zoom
Zielgruppe: blinde und sehbehinderte MINT-Studierende sowie Studieninteressierte; Personen, die Lehrmaterialien aufbereiten oder unterstützen; Dozierende der MINT-Fächer

Online-Veranstaltung am 18.06.: Anfeindungen und Übergriffe im Netz

Hasskommentare, Drohungen, Veröffentlichung personenbezogener Daten: Fachkräfte und Organisationen der Sozialen Arbeit sind zunehmend Ziel von Anfeindungen und Übergriffen im Netz. Eine Online-Veranstaltung des Paritätischen gibt Orientierung zu Prävention und Schutzmaßnahmen, zeigt Handlungswege im Akutfall (inkl. rechtlicher Möglichkeiten) und bietet Raum für Austausch. 

Datum und Uhrzeit: 18. Juni, 11:00–12:30 Uhr
Zielgruppe: Mitarbeitende Paritätischer Mitgliedsorganisationen
Referentin: Franziska Benning (HateAid) 
Anmeldung: https://eveeno.com/228601963

Nachteilsausgleich bei Juristischen Staatsprüfungen (Sehbehinderung)

Die Fachgruppe Jura des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) lädt zu einer Zoom-Veranstaltung ein:
Termin: Mittwoch, 01.07.2026, 19:30 Uhr
Dauer: ca. 90 Minuten
Format: Zoom
Zielgruppe: Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Menschen mit Sehbehinderung im Jura-Studium oder Rechtsreferendariat, die das Erste und/oder Zweite Juristische Staatsexamen planen. Eingeladen sind auch Personen, die die Staatsprüfungen in den letzten Jahren bereits absolviert haben. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Entwicklungen zum Nachteilsausgleich sowie der Austausch zu Erfahrungen vor und nach den Staatsexamina.
Geplante Themen sind unter anderem:

  • Ergebnisse einer DVBS-Erhebung (2025) zur Verwaltungspraxis beim Nachteilsausgleich in den Ländern, u.a. im Zusammenhang mit dem sogenannten E-Examen
  • Planung des eigenen Nachteilsausgleichs in der Vorbereitung auf die Staatsprüfungen (z.B. Assistenz, Schreibverlängerung, Abstimmung mit dem Prüfungsamt, digitale Nutzung von Gesetzestexten und Kommentaren)
  • Hinweise, welche Unterstützung und Formate der DVBS künftig anbieten kann

Teilnahme und Zugang:
Die Einwahldaten werden etwa eine Woche vor dem Termin über die Mailingliste der Fachgruppe Jura verschickt. Wer nicht in der Mailingliste ist und teilnehmen möchte, kann sich per E-Mail melden: [email protected]. Dort können auch Fragen und Anregungen eingereicht werden.

iXNet-Info-Veranstaltung „Barrierefrei gründen – Selbständigkeit als Chance“

Das inklusive Expert*innen-Netzwerk iXNet bietet am 14. Juli 2026 eine Online-Informationsveranstaltung zum Thema Selbständigkeit für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen an. Die Referenten Thomas Kotschenreuther und Marcus Bittner informieren über Chancen und Herausforderungen einer Existenzgründung, Fördermöglichkeiten, Unterstützungsangebote sowie erste Schritte auf dem Weg in die berufliche Selbständigkeit. Praxisbeispiele ergänzen die Veranstaltung.

Termin: 14.07.2026, 13:30–14:30 Uhr (online via Microsoft Teams)

Anmeldung: bis 30.06.2026 über das Online-Formular 

Zielgruppe: Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Studierende mit Behinderungen kurz vor dem Studienabschluss sowie an arbeitssuchende Menschen mit Behinderungen.

Abitur: Was nun? Spezielle Orientierungsveranstaltung für blinde und sehbehinderte Studieninteressierte aus ganz Deutschland

Das ACCESS@KIT des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) bietet jährlich eine Orientierungsveranstaltung für blinde und sehbehinderte Oberstufenschüler*innen sowie Schulabsolvent*innen aus ganz Deutschland an. An zwei Tagen geht es um Fragen rund um ein Studium unter den Bedingungen von Sehbehinderung oder Blindheit. Zu verschiedenen Themen sprechen unter anderem Orientierungs- und Mobilitätstrainer, die Beauftragte für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung, Juristinnen und Juristen, Fachleute des Studierendenwerks, Mitarbeitende verschiedener Einrichtungen am KIT sowie KIT-Studierende mit Sehbehinderung oder Blindheit aus höheren Semestern.

Termin: 05.–06. November 2026
Ort: Präsenz (Karlsruher Institut für Technologie, KIT)
Teilnahme: kostenfrei
Programm: https://www.access.kit.edu/img/content/Orientierungsveranstaltung_November_2026.pdf
Anmeldung: per E-Mail an [email protected]
Anmeldefrist: 28. Oktober 2026