11/11/2025

"Campus der Zukunft – sozial, digital, international und nachhaltig"

Festvortrag von Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks, beim Semesterempfang der Universität Greifswald am 10. November 2025; Thema: „Campus der Zukunft“

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Greifswald/Berlin, 11.11.2025. Beim feierlichen Semesterempfang der Universität Greifswald am 10. November 2025 hat Matthias Anbuhl, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerks, in seinem Festvortrag vier zentrale Thesen zum „Campus der Zukunft“ vorgestellt. Sein Appell: Hochschulen müssen soziale Orte bleiben – und zugleich Orte der digitalen Innovation, der internationalen Offenheit und der ökologischen Verantwortung werden.

Anbuhl betonte vor 100 Zuhörenden, dass die Pandemie gezeigt habe, wie wichtig persönliche Begegnung und Präsenz für ein gutes Studium sind. „Wir brauchen Präsenz. Wir brauchen den zwischenmenschlichen Austausch, die Begegnung, das zufällige Aufeinandertreffen von Menschen, in der Bibliothek, in der Mensa“, so Anbuhl. Die Hochschulen seien und blieben soziale Orte – doch das Soziale müsse neu gedacht werden. Räume auf dem Campus sollten multifunktional nutzbar sein: „Die Mensa der Zukunft ist nicht nur ein Ort des guten Essens, sondern auch ein Ort der Begegnung, des Lernens und der Lehre.“

Gleichzeitig forderte Anbuhl erhebliche Investitionen, um den Sanierungsstau an Hochschulen und Studierendenwerken abzubauen. „Der Campus der Zukunft braucht intakte Räume – vom Hörsaal übers Labor bis zur Mensa.“ Allein für die Sanierung ihrer Mensen und Caféterien benötigten die im Deutschen Studierendenwerk zusammengeschlossenen Studierendenwerke vier Milliarden Euro, so Anbuhl. Die Mittel müssten vor allem aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität der Länder kommen, so der DSW-Vorstandsvorsitzende.

Digitalisierung sei für Lehre und Verwaltung unverzichtbar, so Anbuhl weiter. „Zur Sanierung von Hochschulräumen gehört zwingend auch die digitale Nachrüstung.“ Besonders beim BAföG sieht er Nachholbedarf: „Zu viele BAföG-Ämter der Studierendenwerke müssen die online eingereichten Anträge ausdrucken, abstempeln, abheften – das ist keine Digitalisierung, das ist Bürokratie-Irrsinn!“ Ein vollständig digitalisiertes BAföG wäre für ihn ein Leuchtturmprojekt der von der Bundesregierung geplanten Staatsmodernisierung. 


Mit fast 400.000 internationalen Studierenden sei Deutschland ein attraktiver Studienort, führte Anbuhl aus. „Wir müssen alles dafür tun, dass sie sich hier gut integrieren und sich für Deutschland als Arbeits- und Lebensort entscheiden. Er warnte jedoch vor einem zentralen Problem: „Die größten Schwierigkeiten haben internationale Studierende bei der Wohnungssuche.“ Das im Jahr 2023 gestartete Bund-Länder-Programm „Junges Wohnen“ sei entscheidend für das Gelingen der Internationalisierungs-Bemühungen von Hochschulen, Bund und Ländern. „Die Internationalisierung unseres Hochschulsystems funktioniert nur mit einer gut ausgebauten sozialen Infrastruktur – zum Nulltarif ist sie nicht zu haben“, so Anbuhl.

Zum Abschluss betonte Anbuhl die Verantwortung der Hochschulen und Studierendenwerke für Klima und Umwelt: „Unsere Hochschulen haben das Potenzial, Reallabore für nachhaltige Bildung und Forschung zu werden.“ Die 57 Studierendenwerke seien hier schon Vorreiter – mit energieeffizienten Wohnheimen, vegetarischen und veganen Mensa-Speiseplänen. Anbuhl: „Dass ökologisches und wirtschaftliches Handeln sich nicht ausschließen, dafür sind die Studierendenwerke der beste Beweis.“ Er nannte ein Beispiel des Studierendenwerks Greifswald: „Beim Projekt ‚RegioVers‘ wird gemeinsam mit Biohöfen in der Region getestet, wie sich die Mensaverpflegung nachhaltiger gestalten lässt – mit großem Zuspruch der Studierenden.“

„Campus der Zukunft“: der Festvortrag von Matthias Anbuhl online:
https://www.studierendenwerke.de/festvortrag-campus-der-zukunft