12/04/2025

Erfolgreiche Internationalisierung der Hochschulen braucht stärkere soziale Infrastruktur

Die 87. ordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Studierendenwerks (DSW) hat beschlossen:

/fileadmin

Die globale Lage für internationale Studierende verändert sich rasant. In den USA droht ein starker Rückgang der Bewerbungszahlen. Auch andere Zielländer wie Großbritannien, die Niederlande und Kanada diskutieren über eine Reduzierung der Zahl internationaler Studierende oder haben entsprechende Maßnahmen bereits umgesetzt. Eine problematische Entwicklung, denn Wissenschaft ist international.

Diese Veränderungen können zu einer verstärkten Nachfrage nach einem Studium in Deutschland führen. Schon jetzt ist die Zahl internationaler Studierende zum Wintersemester 2023/24 auf mehr als 400.000 gestiegen. Sie stellen 14 Prozent aller Studierenden in Deutschland. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Indien, China und die Türkei.

Diese Entwicklung bringt enorme volkswirtschaftliche Vorteile: Etwa 40 Prozent eines Anfänger*innen-Jahrgangs bleibt längerfristig in Deutschland und wird am Arbeitsmarkt aktiv. Ein solcher Jahrgang von internationalen Studierenden insgesamt spült ein Plus von 15,5 Milliarden Euro in die staatlichen Kassen. Diese positiven Effekte sind umso größer, je mehr internationale Studierende langfristig in Deutschland bleiben. Das haben Forschende des Instituts der deutschen Wirtschaft errechnet.

Das Deutsche Studierendenwerk trägt die Internationalisierungs-Ziele von Bund, Ländern und Hochschulen mit; wir bekennen uns nachdrücklich zu einem international exzellent vernetzten, offenen, interkulturell starken deutschen Hochschulsystem. Damit internationale Studierende in Deutschland gut integriert werden und erfolgreich studieren und abschließen können, brauchen sie eine starke soziale Infrastruktur. Die Studierendenwerke leisten hierzu einen zentralen Beitrag: Sie stellen internationalen Studierenden rund 45 Prozent ihrer knapp 200.000 Wohnheimplätze zur Verfügung. In den Wohnheimen fördern interkulturelle Programme insbesondere die studentischen Wohnheimtutor*innen Integration im Alltag: Sie unterstützen bei der Ankunftsbetreuung, helfen beim Zurechtfinden in der fremden Lebens- und Studienkultur, beugen Einsamkeit vor und schaffen Kontakte.

Darüber hinaus bieten sie internationalen Studierenden passgenaue Unterstützung in der psychologischen Beratung und Sozialberatung – etwa bei persönlichen Krisen, finanziellen oder studienbezogenen Problemen. Diese Angebote sind entscheidend für Studienintegration und Studienerfolg.

Wir fordern daher, dass Bund und Länder ihre Internationalisierungsziele gemeinsam mit finanziellen Mitteln und Programmen für die soziale Infrastruktur unterfüttern. Internationalisierung gibt es nicht zum Nulltarif.

Wir fordern:

  • die Bundesländer auf, das im März 2023 gestartete Bund-Länder-Programm “Junges Wohnen” kraftvoll und in der Fläche umzusetzen, damit auch für internationale Studierende, genauso wie für ihre deutschen Mit-Studierenden, ausreichend bezahlbarer Wohnraum neu geschaffen oder modernisiert werden kann. Sonst bleiben Internationalisierungs-Ziele bloße Makulatur. Die Bundesregierung will den anteiligen Bundes-Anteil an der Förderung für Junges Wohnen verdoppeln, auf eine Milliarde Euro im Jahr. Die Bundesländer sind nun gefordert, ihrerseits kräftig nachzulegen. Zudem soll flächendeckend auf einen Wohnberechtigungsschein zugunsten der Immatrikulationsbescheinigung als Nachweis der Bedürftigkeit verzichtet werden.
  • alle Bundesländer auf, es dem Freistaat Bayern und dem Saarland nachzutun und die Wohnheimtutor*innen-Programme ihrer Studierendenwerke ebenfalls finanziell zu fördern. Die Länder haben hiermit einen Hebel, ihre gemeinsam mit dem Bund und mit den Hochschulen formulierten Internationalisierungs-Ziele zu erreichen.
  • die Hochschulstädte auf, gemeinsam mit Hochschulen und Studierendenwerken Netzwerke zu nutzen bzw. zu bilden, um eine lokale Internationalisierungsstrategie zu entwickeln, abzustimmen und umzusetzen.
  • die Bundesländer auf, die psychologischen und sozialen Beratungsstellen der Studierendenwerke stärker auszubauen, damit diese auch dem stark zunehmenden Beratungsbedarf internationaler Studierender begegnen können.
  • eine bessere Vorbereitung der Studierenden vor ihrem Start in Deutschland. Hierzu gehören zwingend Informationen zur Lage auf dem Wohnungsmarkt und zur Finanzierung des Lebensunterhalts.
  • die Kommunen auf, allen in ihren Bezirken lebenden Menschen die Möglichkeit einer melderechtlichen Registrierung zu gewähren. Internationale Studierende können aufgrund des Wohnraummangels anfangs keinen Wohnsitz nachweisen, weil sie vorübergehend bei Bekannten oder Kommiliton*innen unterkommen.
  • den internationalen Studierenden einen unbürokratischen und adressatengerechten Befreiungsantrag von der Rundfunkgebühr zur Verfügung zu stellen.